„Ich habe einfach keine Zeit.“
Diesen Satz habe ich in den vergangenen Monaten immer wieder gehört.
In meiner Masterclass, in Gesprächen mit Unternehmern und, wenn ich ehrlich bin, auch von mir selbst.
Der Kalender ist voll.
Kunden brauchen etwas, eine Mail wartet auf Antwort, ein Mitarbeiter hat eine Frage und irgendwo muss noch ein Problem gelöst werden. Am Abend fühlte ich mich den ganzen Tag beschäftigt: mit Telefonaten, Entscheidungen, Antworten und Organisation.
Doch bin ich wirklich vorangekommen?
Es gibt diese Tage, an denen ich abends denke: Was von all dem hat heute wirklich einen Unterschied gemacht?
Dieser Gedanke hat meine Sicht auf Zeit verändert.
Vielleicht haben wir gar kein Zeitproblem.
Während meiner ersten fünfwöchigen Masterclass wollte ich mit Unternehmerinnen und Unternehmern darüber sprechen, wie sie ihre bestehenden Kunden besser entwickeln können.
Ich hatte mit ganz anderen Themen gerechnet: Prozesse, CRM, Strukturen, Follow-up. Vielleicht auch fehlendes Wissen. Doch ein Satz kam immer wieder: „Ich würde mich gerne intensiver darum kümmern, aber im Alltag fehlt einfach die Zeit.“
Irgendwann habe ich angefangen, über diesen Satz nachzudenken.
Natürlich haben wir alle dieselben 24 Stunden.
Entscheidend ist für mich heute weniger, ob diese Zeit reicht.
Viel interessanter finde ich:
Wer entscheidet darüber, was meine Aufmerksamkeit bekommt?
Das Dringende muss nicht um unsere Aufmerksamkeit kämpfen. Eine E-Mail meldet sich, das Telefon klingelt, ein Problem macht sich bemerkbar oder ein Kunde braucht eine Entscheidung.
All diese Dinge haben etwas gemeinsam:
Sie sorgen selbst dafür, dass wir sie nicht vergessen.
Sie unterbrechen uns, erinnern uns oder verlangen eine Reaktion.
Die Dinge, die langfristig wichtig sind, verhalten sich anders.
- Ein guter Kunde ruft nicht jeden Dienstag an und erinnert Dich daran, dass Du Dich schon lange wieder melden wolltest.
- Die Idee für die Zukunft Deines Unternehmens schickt keine Outlook-Erinnerung.
- Zeit zum Nachdenken blinkt nicht rot im Postfach.
- Und auch der eigene Kopf sagt nicht immer rechtzeitig: „Für heute reicht es.“
Das Wichtige ist häufig erstaunlich leise. Vielleicht verliert es deshalb so oft gegen das Dringende.
Ein voller Kalender ist noch keine Führung
Ich habe lange gedacht, gute Organisation würde bedeuten, möglichst viel zu schaffen.
Heute sehe ich das anders. Natürlich müssen Dinge erledigt werden.
Als Unternehmerin habe ich jedoch noch eine andere Aufgabe:
Ich muss entscheiden, was meine Aufmerksamkeit verdient.
Treffe ich diese Entscheidung nicht bewusst, übernehmen das schnell andere für mich: mein Postfach, mein Telefon, meine Termine, Kunden und Mitarbeiter oder das Problem, das am lautesten ist.
Das kann über lange Zeit sogar ziemlich gut funktionieren. Ich bin gefragt, werde gebraucht und löse Probleme.
Am Ende eines vollen Tages bleibt trotzdem manchmal ein Gedanke zurück: Ich bin den ganzen Tag für mein Unternehmen da. Aber wie viel Zeit verbringe ich noch damit, mein Unternehmen zu führen?
Für mich liegt dort der Unterschied zwischen beschäftigt sein und wirksam sein.
Die Dinge, die liegen bleiben, sind selten unwichtig.
Das sehe ich besonders deutlich bei Kundenbeziehungen.
Kaum ein Unternehmer würde sagen: „Unsere bestehenden Kunden sind mir nicht wichtig.“
Trotzdem bleibt ein Kunde aus dem Blick, bei dem Du Dich längst wieder melden wolltest.
Ein Angebot ist noch offen.
Ein Gespräch wurde schon dreimal auf nächste Woche verschoben.
Nicht, weil diese Dinge unwichtig wären.
Der Alltag war lauter.
Und irgendwann fällt dieser Satz: „Mit dem Kunden wollten wir längst wieder sprechen.“
Das Interessante daran ist: Meistens wissen wir, was zu tun wäre.
Wir wissen, dass wir uns melden sollten, dass ein Angebot nachgefasst werden müsste und welche Kunden uns wichtig sind.
Doch: Wissen allein schützt uns nicht davor, dass das Wichtige liegen bleibt.
Es braucht eine bewusste Entscheidung, ihm Raum zu geben.
Wo lohnt sich bei Deinen Kunden ein genauerer Blick?
Bei bestehenden Kunden und Kontakten ist nicht immer sofort erkennbar, wo Aufmerksamkeit einen Unterschied machen würde. Vielleicht sind Kunden da, offene Angebote ebenfalls und Kontakte ohnehin. Im Tagesgeschäft fehlt jedoch der Abstand, um zu erkennen, wo es sich lohnt, genauer hinzuschauen.
Dafür haben wir unseren kurzen Potenzialcheck entwickelt. Er hilft Dir, Deine Situation einmal mit etwas Abstand zu betrachten und zu erkennen, an welchen Stellen Potenzial liegen bleibt.
Drei Gedanken, bevor Du sagst: „Ich habe keine Zeit“
Wenn ich merke, dass wieder vieles gleichzeitig meine Aufmerksamkeit verlangt, helfen mir drei Perspektiven dabei, klarer zu unterscheiden, was wirklich wichtig ist.
1. Ist es wirklich wichtig – oder nur laut?
Schau auf das, was heute Deine Aufmerksamkeit verlangt.
Ein Teil davon ist wichtig.
Anderes fühlt sich vor allem deshalb wichtig an, weil jemand anruft, schreibt oder auf eine Antwort wartet.
Hilfreich finde ich deshalb auch den Blick auf das, was keine unmittelbare Reaktion verlangt.
Was passiert, wenn eine wichtige Aufgabe weitere vier Wochen liegen bleibt?
Kundenbeziehungen, Strategie oder Mitarbeiterentwicklung melden sich selten von selbst.
Die Folgen sehen wir meist erst später.
2. Muss es jetzt passieren oder darf es warten?
Nicht jede Aufgabe, die heute auf Deinem Tisch landet, muss auch heute erledigt werden.
Manches darf warten. Anderes braucht bewusst einen festen Platz.
Statt nur darauf zu schauen, was heute noch erledigt werden könnte, hilft mir ein anderer Blick:
Was soll am Ende dieser Woche auf keinen Fall wieder liegen geblieben sein?
Damit verschiebt sich die Aufmerksamkeit vom Abarbeiten hin zum bewussten Priorisieren.
3. Muss ich das wirklich selbst tun?
Ein weiterer Blick lohnt sich auf die Aufgaben, die jeden Tag bei uns als Unternehmer landen.
Manche brauchen tatsächlich unsere Erfahrung, unsere Entscheidung oder uns als Person.
Andere landen vor allem deshalb bei uns, weil es sich über Jahre so entwickelt hat.
Für mich gehört auch das zu Selbstführung: bewusst zu entscheiden, wofür ich wirklich gebraucht werde und wo jemand anderes Verantwortung übernehmen kann.
Aufmerksamkeit hat auch mit Grenzen zu tun
Zu entscheiden, was meine Aufmerksamkeit verdient, ist nur der erste Schritt.
Im Alltag muss ich diese Entscheidung auch schützen.
Wenn alles jederzeit wieder dazwischenkommen darf, bestimmt am Ende doch das Lauteste meinen Tag.
Das kann bedeuten, eine E-Mail nicht sofort zu beantworten, bei einer Entscheidung nicht beteiligt zu sein oder eine Aufgabe bewusst bei jemand anderem zu lassen.
Für mich geht es dabei nicht darum, mich aus meinem Unternehmen zurückzuziehen.
Ich möchte klarer entscheiden, wo ich wirklich gebraucht werde und wo nicht.
Das klingt zunächst nach Organisation.
Für mich hat es viel mehr mit Selbstführung zu tun.
Denn wenn alles jederzeit meine Aufmerksamkeit bekommen darf, bleibt kaum Raum für das, was ich selbst wichtig finde.
Das gilt auch für Kunden. Solange wichtige Kontakte, offene Gespräche und nächste Schritte nur in meinem Kopf liegen, brauchen sie meine persönliche Aufmerksamkeit, damit überhaupt etwas passiert.
Halte einen Moment inne und überlege:
- Was müsste sich verändern, damit wichtige Dinge auch dann passieren, wenn Dein Alltag wieder laut wird?
- Was passiert, wenn Du wirklich einmal nicht da bist?
Auch Erholung beginnt für mich lange vor dem Urlaub.
Ich kann zwei Wochen Urlaub im Kalender stehen haben und gedanklich trotzdem im Unternehmen sitzen: bei offenen Angeboten, Projekten, Entscheidungen und all den Dingen, die nur in meinem Kopf existieren.
Dann hat mein Körper vielleicht frei, mein Kopf noch lange nicht.
Stell Dir vor, Du wärst zwei Wochen wirklich nicht da.
Nicht „im Urlaub, aber erreichbar“.
Wirklich nicht da.
Einige Dinge würden selbstverständlich weiterlaufen.
Bei anderen wüsste vielleicht niemand, was als Nächstes zu tun ist.
Kunden würden auf Rückmeldung warten, Entscheidungen blieben offen oder Aufgaben lägen so lange, bis Du wiederkommst.
Diese Vorstellung finde ich hilfreicher als die nächste Zeitmanagement-Methode.
Denn irgendwann geht es nicht mehr darum, wie Du noch mehr in Deinen Kalender bekommst.
Es geht darum, wie abhängig Dein Unternehmen von Deiner ständigen Aufmerksamkeit sein soll.
Und auch darum, wie Du selbst arbeiten möchtest.
Vielleicht ist Zeit gar nicht unsere knappste Ressource
Für mich ist in den vergangenen Monaten ein anderer Gedanke immer wichtiger geworden:
Meine Aufmerksamkeit ist begrenzt.
Und ich entscheide, wer oder was sie bekommt.
Zeit kann ich nicht vermehren.
Ich kann aber beeinflussen, wem ich meine Aufmerksamkeit schenke, was ich bewusst liegen lasse, wofür ich einen festen Platz schaffe und was wichtig genug ist, um Raum zu bekommen, auch wenn es nicht dringend ist.
Vielleicht beginnt gute Selbstführung genau dort: mit einer bewussten Entscheidung.
Mein Impuls für Dich
Schau auf die vergangene Woche.
Diesmal nicht darauf, wie viele Stunden Du gearbeitet oder wie viele Aufgaben Du erledigt hast.
Was hat den größten Teil Deiner Aufmerksamkeit bekommen?
Und war es auch das, was für Dein Unternehmen und für Dich wirklich wichtig ist?
Die Antwort darauf sagt manchmal mehr über unsere Art zu arbeiten aus als jeder volle Kalender.
Wo lohnt sich bei Deinen Kunden ein genauerer Blick?
Bei bestehenden Kunden und Kontakten ist nicht immer sofort erkennbar, wo Aufmerksamkeit einen Unterschied machen würde. Vielleicht sind Kunden da, offene Angebote ebenfalls und Kontakte ohnehin. Im Tagesgeschäft fehlt jedoch der Abstand, um zu erkennen, wo es sich lohnt, genauer hinzuschauen.
Dafür haben wir unseren kurzen Potenzialcheck entwickelt. Er hilft Dir, Deine Situation einmal mit etwas Abstand zu betrachten und zu erkennen, an welchen Stellen Potenzial liegen bleibt.
Nimm Dir dafür ein paar Minuten Zeit. Vielleicht zeigt sich dabei schon ziemlich deutlich, welcher Kunde oder Kontakt Deine Aufmerksamkeit als Nächstes verdient.
Deine
Beatrice
