Es gibt Sätze, bei denen ich inzwischen ziemlich schnell hellhörig werde.
Einer davon ist: „Ich nehme fast jeden Auftrag an, weil ich nicht weiß, wann der nächste kommt.“
Diesen Gedanken kann ich gut verstehen. Wenn du ein Unternehmen aufgebaut hast und weißt, dass Aufträge nicht selbstverständlich sind, fühlt sich ein Nein schnell riskant an. Der Auftrag ist da. Der Umsatz ist konkret. Was danach kommt, weißt du nicht.
Also sagst du Ja. Auch bei einem Auftrag, der nicht besonders gut passt, mehr Energie kostet als gedacht oder in einen ohnehin vollen Kalender rutscht. Manchmal sogar, obwohl du längst weißt, dass du andere Schwerpunkte setzen wolltest.
Von außen betrachtet ist das eine Entscheidung für einen Auftrag.
Für mich steckt darin aber noch etwas anderes: Jede Entscheidung zeigt, was gerade Priorität bekommt.
Das gilt für die Aufträge, die wir annehmen. Aber genauso für die Kunden und Kontakte, denen wir unsere Aufmerksamkeit geben – oder eben nicht.
Denn auch Kundenentwicklung beginnt mit Entscheidungen:
Welcher Kunde ist jetzt wichtig?
Wo gibt es einen guten Anlass für ein Gespräch?
Und was darf bewusst noch warten?
Wir entscheiden häufiger, als wir denken.
Manche Entscheidungen sind offensichtlich: Wir stellen eine Mitarbeiterin ein, tätigen eine Investition oder verändern unser Angebot. Der größte Teil unserer Entscheidungen sieht im Alltag viel unspektakulärer aus.
Beantworte ich diese Mail jetzt oder später?
Nehme ich den zusätzlichen Termin noch an?
Rufe ich den Kunden an, mit dem ich seit Monaten sprechen wollte?
Kümmere ich mich um das offene Angebot oder um die Anfrage, die gerade neu hereingekommen ist?
Vieles davon fühlt sich im Alltag gar nicht wie eine Entscheidung an. Es passiert einfach. Und am Ende hat trotzdem etwas unsere Zeit und Aufmerksamkeit bekommen. Unser Alltag setzt Prioritäten – auch dort, wo wir sie nicht bewusst gesetzt haben.
Offenlassen fühlt sich zunächst leichter an
Eine Entscheidung offenzulassen, fühlt sich zunächst oft leichter an.
Solange ich mich nicht festlege, muss ich nichts ausschließen.
Der Auftrag könnte doch noch interessant werden.
Den Kunden wollte ich sowieso noch einmal anrufen.
Das Angebot müsste nachgefasst werden.
Und um den Kontakt von der Veranstaltung kümmere ich mich, sobald etwas mehr Zeit ist.
So bleiben viele Möglichkeiten erhalten. Nur verschwinden sie dadurch nicht. Sie tauchen wieder auf, müssen erneut angesehen, besprochen oder abgewogen werden. Jede unklare Entscheidung bleibt später als offene Schleife im Unternehmen hängen. Irgendwann haben wir dann nicht mehr besonders viele Möglichkeiten. Wir haben vor allem viele offene Themen.
Wenn alles wichtig ist, fehlt die Entscheidung
Einen anderen Satz höre ich in Gesprächen ebenfalls: „Wenn alles wichtig ist, weiß ich nicht, worauf ich mich zuerst konzentrieren soll.“ Das klingt zunächst nach einem Zeitproblem. Oft fehlt aber etwas anderes: eine Entscheidung darüber, was jetzt Vorrang bekommt.
Natürlich können mehrere Dinge gleichzeitig wichtig sein: Kunden brauchen Aufmerksamkeit, Angebote sollen raus, neue Aufträge entstehen und das Team braucht Antworten. Aber „wichtig“ beantwortet noch nicht die Frage, womit ich beginne.
Und genau darin liegt für mich der schwierige Teil einer Priorität. Wenn etwas Vorrang bekommt, muss etwas anderes warten. Ein Ja hat deshalb immer auch eine andere Seite: ein Noch-nicht, ein Später oder manchmal ein Nein. Oft wissen wir ziemlich genau, was wichtig ist. Schwieriger ist es, zu akzeptieren, was im Moment weniger wichtig sein darf.
Entscheidungen brauchen keine Gewissheit
An diesem Punkt denke ich wieder an den Satz vom Anfang: „Ich nehme fast jeden Auftrag an, weil ich nicht weiß, wann der nächste kommt.“ Dahinter steckt für mich keine fehlende Konsequenz, sondern Unsicherheit.
Kann ich mir erlauben, diesen Auftrag abzulehnen?
Kommt ein anderer nach, der besser zu uns passt?
Kann ich darauf vertrauen, dass wir auch in Zukunft genügend Möglichkeiten haben?
Diese Fragen lassen sich nicht immer sicher beantworten.
Und genau deshalb ist ein Gedanke für mich mit den Jahren wichtiger geworden:
Klarheit bedeutet nicht, dass ich weiß, wie etwas ausgeht. Klarheit bedeutet, dass ich weiß, nach welchen Kriterien ich entscheide, obwohl ich den Ausgang nicht kenne.
Das gilt für Aufträge und genauso für bestehende Kunden.
Wie nah bist du wirklich an deinen Kunden?
Gute Entscheidungen in der Kundenentwicklung werden leichter, wenn du weißt, was deine Kunden beschäftigt, wo sich etwas verändert und welche Themen für sie relevant sind.
Genau dabei unterstützt dich unser Praxisleitfaden Kundennähe: Er hilft dir, einen bewussten Blick auf deine bestehenden Kundenbeziehungen zu werfen und zu erkennen, wo du genauer hinschauen solltest.
Nicht jeder Kunde braucht jetzt deine Aufmerksamkeit
Eine Frage begegnet mir in Gesprächen immer wieder: „Welche meiner bestehenden Kunden sollte ich jetzt ansprechen, warum gerade diese und mit welchem Anlass?“
Ich finde diese Frage gut. Denn sie beginnt nicht mit: Wie können wir möglichst viele Kunden kontaktieren? Sie beginnt mit einer Entscheidung.
In unseren Gesprächen erlebe ich häufig, dass es nicht an Möglichkeiten fehlt. Da gibt es Kunden, mit denen lange kein Gespräch stattgefunden hat. Offene Angebote. Frühere Interessenten. Kontakte aus Veranstaltungen oder Netzwerken. Kunden, bei denen sich ein Folgeauftrag entwickeln könnte.
Natürlich könnten wir einfach irgendwo anfangen.
Interessanter finde ich: Bei wem gibt es gerade einen guten Grund für ein Gespräch?
Vielleicht hat sich beim Kunden etwas verändert oder ein Thema aus dem letzten Gespräch ist wieder relevant geworden. Genauso kann es sein, dass wir heute bei einer Herausforderung unterstützen können, die damals noch gar nicht auf dem Tisch lag. Oder wir stellen fest: Dieser Kunde ist gerade nicht dran. Ein anderer Kontakt hat im Moment eine höhere Priorität.
Auch das gehört für mich zu guter Kundenentwicklung. Nicht jeder Kontakt muss jetzt aktiviert werden.
Aber wir sollten wissen, wo wir anfangen und warum.
Aus einer Priorität muss ein nächster Schritt werden
Eine Entscheidung allein verändert allerdings noch nicht viel. „Mit diesem Kunden sollten wir unbedingt mal wieder sprechen“ kann monatelang ein richtiger Gedanke bleiben, ohne dass etwas passiert. Deshalb gehört für mich zur Entscheidung immer auch die nächste Frage: Was passiert jetzt konkret?
Wer meldet sich?
Mit welchem Anlass?
Bis wann?
Und was passiert, wenn der Kunde nicht reagiert?
An diesem Punkt wird aus einer Möglichkeit ein nächster Schritt. Und genau hier zeigt sich für mich auch, ob Kundenentwicklung im Alltag funktioniert oder nur von guten Vorsätzen lebt.
Eine gute Entscheidung hilft heute. Ein klarer Prozess hilft auch morgen.
Wenn wir bei jedem Kunden jede Woche wieder neu überlegen müssen, ob wir uns melden sollten, wer zuständig ist und wann wir nachfassen, kostet das unnötig Aufmerksamkeit. Deshalb reicht es auf Dauer nicht, immer wieder die richtige Entscheidung zu treffen.
Ein klarer Prozess sorgt dafür, dass wir dieselbe Entscheidung nicht ständig von vorn treffen müssen. Wenn klar ist, welche Kunden gerade Priorität haben, warum wir sie ansprechen, wer den nächsten Schritt übernimmt und wann wieder nachgefasst wird, entsteht Verlässlichkeit. Dann hängt Kundenentwicklung weniger davon ab, dass jemand im richtigen Moment daran denkt. Und genau an diesem Punkt wird aus einzelnen guten Entscheidungen verlässliche Kundenentwicklung.
Kundenentwicklung beginnt mit einer Entscheidung
Welcher Kunde bekommt jetzt Aufmerksamkeit?
Welche Chance verfolgen wir weiter?
Welches Angebot fassen wir nach?
Und was darf bewusst warten?
Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Aber wir müssen auch nicht alles gleichzeitig tun. Entscheidend ist, zu wissen, was jetzt Priorität bekommt, warum – und was der nächste konkrete Schritt ist. Wenn daraus ein verlässlicher Ablauf entsteht, bleibt Kundenentwicklung nicht länger vom guten Vorsatz oder vom richtigen Moment abhängig.
Vielleicht lohnt sich deshalb ein Blick auf die Entscheidungen, die in deiner Kundenentwicklung gerade offen sind.
Welcher Kunde verdient jetzt Aufmerksamkeit?
Welche Chance möchtest du weiterverfolgen?
Und was darf bewusst warten?
Entscheidend ist nicht, überall gleichzeitig anzufangen. Entscheidend ist, aus einer Priorität einen konkreten nächsten Schritt zu machen und dafür zu sorgen, dass dieser Schritt im Alltag nicht wieder verloren geht.
Deine,
Beatrice
Wie nah bist du wirklich an deinen Kunden?
Gute Entscheidungen in der Kundenentwicklung werden leichter, wenn du weißt, was deine Kunden beschäftigt, wo sich etwas verändert und welche Themen für sie relevant sind.
Genau dabei unterstützt dich unser Praxisleitfaden Kundennähe: Er hilft dir, einen bewussten Blick auf deine bestehenden Kundenbeziehungen zu werfen und zu erkennen, wo du genauer hinschauen solltest.
